Vortrag des IOS: Frauenrechte im 19. Jahrhundert

In den ersten Monaten der 12. Jahrgangsstufe beschäftigten sich die Geschichtskurse vor allem mit der gescheiterten deutschen Revolution von 1848/49 sowie der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871. Politische Akteure schienen dabei ausschließlich Männer zu sein. Doch welchen Stellenwert hatten Frauenrechte in der Zeit des Nationalismus in anderen europäischen Ländern, jenseits der deutschen Perspektive? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, besuchte am 12. Dezember 2025 Dr. Kreuter vom Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) in Regensburg den Geschichtskurs G1 am Donau-Gymnasium.

Anschaulich und detailreich in seinen Schilderungen lud Dr. Kreuter die Schülerinnen und Schüler ein, ihn auf eine Reise durch Europa zu begleiten. So schlug er den Bogen von einer Urkunde im Faksimile von Kaiser Otto II. zur Witwenversorgung von Kaiserin Theophanu hin zu Olympe de Gouges (1748-1793) mit ihrem Appell für Rechte der Frauen und Bürgerinnen in den Jahren der Französischen Revolution – welche nicht gewährt wurden. Aus dem Revolutionsjahr 1848 zeigte Dr. Kreuter ein Prunkblatt zur Schweizer Bundesverfassung, das eindeutig männlich dominiert ist, mit einer Ausnahme: Helvetia, die Personifikation der Schweiz schlechthin. Aus demselben Jahr präsentierte der Redner die auf Rumänisch verfasste Proklamation von Islaz, welche später allerdings wieder kassiert wurde, mit dem Recht auf kostenlose Schulbildung, unabhängig vom Geschlecht, also der Gleichstellung der Geschlechter in der Bildung. Von der Heiratsurkunde von Österreichs Kaiser Franz und seiner Elisabeth (Sisi) führte Dr. Kreuter über Helene Langes „Endziel der Frauenbewegung“ zum „Manifest gegen das Frauenstimmrecht“. Exemplarisch wurde am Lebensweg von Emilie Kempin-Spyri (1853-1901), Nichte der „Heidi“-Autorin Johanna Spyri, die Problematik der Gleichstellung und Frauenrechte aufgezeigt, denn als erste Schweizer Juristin, die 1887 in der Schweiz promovierte, wurde ihr dennoch aufgrund des fehlenden Aktivbürgerrechts als Frau das Anwaltspatent und somit die Berufsausübung verweigert. Nachdem ihre Klage dagegen abgewiesen worden war, emigrierte sie in die USA, wo sie in New York an einer von ihr gegründeten Rechtsschule für Frauen unterrichtete.

Der Vortrag war der Beginn die Fortsetzung der Zusammenarbeit des IOS mit dem Donau-Gymnasium und zugleich die erste Veranstaltung dieser Art im Schuljahr 2025/26.

Stefan Urbansky