Latein

Franz und Vroni im Gespr├Ąch mit Marcus Danuvius Callidus

F+V: Warum soll man ├╝berhaupt Latein lernen?

MDC: Mit Latein erschlie├čt Ihr Euch den Zugang zu unserer abendl├Ąndischen Bildung. ├ťber Jahrhunderte hinweg wurde Latein in ganz Europa von den Gelehrten verstanden und gesprochen. Es war also die Sprache der Gebildeten. Auch in der Kirche war Latein die Sprache, die alle verstanden. Unser heutiges Rechtssystem beruht auf dem r├Âmischen Recht und und und… Ich k├Ânnte noch viele Beispiele bringen. Durch Latein bekommt Ihr eine breite und solide Allgemeinbildung. Au├čerdem ist Latein die Mutter aller romanischen Sprachen, also Grundlage z.B. von Spanisch, Italienisch und Franz├Âsisch. Die lernt man viel leichter, wenn man Latein kann. Aber auch viele englische W├Ârter leiten sich aus dem Lateinischen her.

F+V: Ja, aber ist Latein denn nicht heute eine tote Sprache?

MDC: Tats├Ąchlich sprechen heutzutage nur noch wenige Menschen flie├čend Latein, obwohl es noch immer die Amtssprache des Vatikanstaats ist. Aber dennoch begegnet es Euch t├Ąglich, z.B. wenn Ihr mit dem Omnibus (omnibus = f├╝r alle) in die Schule (schola = Schule) fahrt, dort den Direktor (director = einer, der leitet) trefft und schlie├člich Euer Abitur (abiturus = einer, der weggehen wird) macht. Und in Mathe multipliziert (multi = viele) und dividiert (dividere = teilen) ihr, lernt das Kommutativgesetz (Vertauschungsgesetz) und eine Tangente (Gerade, die in einem Punkt einen Kreis ber├╝hrt) kennen, in Englisch macht ihr eine translation exercise (translatum = ├╝bersetzt, exercere = ├╝ben), in Geschichte lernt ihr etwas ├╝ber die Weimarer Republik (res publica = der Staat), in Musik lernt ihr die Dur– und Molltonarten (durus hei├čt hart, mollis weich)kennen und in Chemie macht ihr quantitative (quantus = wie viele)und qualitative (qualis = wie beschaffen)Analysen von Stoffen.

F+V: Was bringt es ├╝berhaupt, Latein zu lernen?

MDC: Die lateinische Sprache schult das Denken und die Kombinatorik, indem es die konsequente Anwendung grammatikalischer Regeln fordert. Durch den Einblick in die Systematik dieser Sprache gewinnt man Einsicht in das Funktionieren von Sprache überhaupt. Der Lateinunterricht vermittelt einen sicheren Umgang mit der Grammatik und ihrer Terminologie. Dadurch lernt man  eine Menge für die deutsche Sprache, aber auch für Fremdsprachen.

F+V: Wozu brauche ich diese Sprache?

MDC: Das Latinum ist an vielen Universit├Ąten immer noch Voraussetzung f├╝r etliche Studienf├Ącher wie z.B. Geschichte, Theologie oder manche Fremdsprachen – und f├╝r die Zulassung zur Promotion in einer Reihe von geisteswissenschaftlichen F├Ąchern. Auch f├╝r Medizin, Pharmazie oder Naturwissenschaften sind Lateinkenntnisse von gro├čem Vorteil, weil die Fachsprachen sehr viele lateinische Begriffe beinhalten, so dass man die Fachbegriffe auf der ganzen Welt verstehen kann. Zwar kann man den Nachweis f├╝r die lateinischen Sprachkenntnisse an der Uni in zeitintensiven Zusatzkursen nachholen, der Kenntnisstand wird aber nicht mehr so gr├╝ndlich sein wie bei der langsameren Heranf├╝hrung in der Schule.

F+V: Was habe ich denn noch f├╝r Vorteile?

DC: Weil manchmal auch komplexere S├Ątze ├╝bersetzt werden, f├Ârdert man gleichzeitig auch seine F├Ąhigkeit zu probleml├Âsendem und kombinierendem Denken. Dabei werden auch Genauigkeit, Gr├╝ndlichkeit, Geduld, Ausdauer und Konzentrationsverm├Âgen geschult und die Ausdrucksf├Ąhigkeit im Deutschen gesteigert.

F+V: Ist Latein eigentlich schwer?

MDC: Wenn man regelm├Ą├čig Vokabeln und Grammatik lernt und konzentriert bei der Sache ist, dann wird man gute Ergebnisse haben. Wie bei allem, was man lernen will, muss man nat├╝rlich f├╝r den Erfolg auch etwas tun. F├╝r manche Vokabeln braucht man vielleicht ein bisschen l├Ąnger, bis man sie sich sicher merken kann, daf├╝r ist der gebr├Ąuchliche Wortschatz im Vergleich zu den modernen Fremdsprachen ├╝berschaubarer und die Sprache ├Ąndert sich nicht mehr. So kommen auch nicht immer wieder neue Wortsch├Âpfungen dazu.

F+V: Was wird am Donau-Gymnasium f├╝r die Lateinsch├╝ler noch angeboten?

MDC: Da werden neben dem Unterricht noch etliche Aktionen gemacht: Regelm├Ą├čig erkunden die Klassen das r├Âmische Regensburg, rudern mit dem R├Âmerschiff auf der Naab und gehen in der 8. Klasse auf eine mehrt├Ągige Limesfahrt entlang der Grenze des R├Âmerreiches, die ja nur wenige hundert Meter vom DGK entfernt verlief! Und wenn in der N├Ąhe interessante Ausstellungen sind, wird ein Besuch organisiert. Manche Klassen kochen auch auf r├Âmische Art und essen gemeinsam ihre Gerichte.

F+V: Was f├╝r Voraussetzungen brauchen wir denn, wenn wir Latein lernen wollen?

MDC: Am DGK k├Ânnte Ihr Latein ├╝brigens nur als zweite Fremdsprache ab der 6. Klasse w├Ąhlen. ├ťberlegt Euch, ob Ihr Spa├č daran habt zu knobeln und gern kombiniert. Latein ist eine systematische Sprache und daher gut f├╝r Leute, die gerne logisch denken und klare Regeln haben m├Âchten. Das ist ein bisschen wie Legobauen. Man muss die einzelnen Bauteile der W├Ârter genau anschauen, um die richtige ├ťbersetzung zu finden. Auch wenn Euch die Aussprache in den modernen Fremdsprachen schwer f├Ąllt, hat Latein den Vorteil, dass es nicht anders gesprochen als geschrieben wird und somit die Rechtschreibung nicht abgepr├╝ft wird. Au├čerdem ist die Unterrichtssprache Deutsch, was manchen leichter f├Ąllt.Die Hauptarbeit im Lateinunterricht ist das ├ťbersetzen vom Lateinischen ins Deutsche. Ihr werdet also im Lateinischen keine Aufs├Ątze oder Diktate oder ├ähnliches schreiben. Beim Vokabellernen k├Ânnen Euch Eure Eltern auch helfen, indem sie Euch regelm├Ą├čig abfragen. Das funktioniert ganz ohne Probleme, auch wenn die Eltern in der Schule kein Latein hatten.

F+V: Lieber Marcus, danke f├╝r dieses nette Gespr├Ąch.


Um alle Verf├╝gbaren Artikel der Fachschaft Latein anzeigen zu lassen, benutzen Sie bitte die Funktion >>Beitr├Ąge suchen mittels Schlagwort<<. Sie befindet sich┬á im Seitenmen├╝ (rechts) auf der >>News<<-Seite.