
Sonntag, 15. April 2018, 5.30 Uhr. Sechs müde, aber aufgeregte Schülerinnen und ihre beiden Lehrer warten gespannt auf den Bus zum Flughafen, denn das Projekt „ERASMUS+ Jobortunities“ geht in die letzte Runde. Nach bereits zwei Projekttreffen in Ungarn bzw. Portugal geht es nun nach Estland.
Nach einem ruhigen Flug endlich in Tallinn angekommen, trafen wir gleich auf die slowenischen Schüler, von denen wir einige schon von den vorherigen Treffen kannten. Anfangs war es noch schwierig, ins Gespräch zu kommen, zumal wir uns natürlich nur auf Englisch unterhalten konnten, jedoch tauten wir nach und nach immer mehr auf und die Gespräche kamen in Gang.
Die ersten beiden Tage verbrachten wir in der wunderschönen Hauptstadt Estlands, wo wir zusammen mit den anderen Schülern aus Litauen, Ungarn, Italien, Portugal und Slowenien die Fernsehstudios und den Hafen vor Ort besichtigen durften. Abends nahmen wir schließlich die Fähre zur Insel Hiiumaa, genauer gesagt, zum Ort Käina, wo sich die Schule unserer estnischen Projektpartner befand.
Am nächsten Tag ging es dann auch gleich los mit der Arbeit an unserem Projekt. In internationalen Gruppen sollten wir virtuelle Firmen gründen. Obwohl alle zuerst ein wenig schüchtern waren, lockerte sich die Stimmung bald auf und es entstanden sehr kreative Firmenplakate. Nach der anschließenden Führung durch eine lokale Plastikfabrik ging es gleich weiter mit Gruppenarbeit. Diesmal galt es, aus Plastikmüll Kunstwerke zu kreieren. Zunächst gab es wieder dieselben anfänglichen Schwierigkeiten mit der Kommunikation, doch am Ende konnte jede Gruppe ein interessantes oder lustiges Kunstobjekt in einem Kurzreferat präsentieren. Der Applaus und auch die Lacher waren auf der Seite vor allem der Gruppen, welche sehr kreative Ideen hatten. Den Abschluss des Tages bildete eine Tour durch das „Suuremõisa Manor“, ein altes Herrenhaus, in dem es angeblich spuken soll, und das gemeinsame Abendessen.
Der darauffolgende Tag begann mit einer herzlichen Willkommensveranstaltung in der Schule mit beeindruckenden Gesangs- und Tanzdarbietungen von den estnischen Schülern und der Übergabe von Gastgeschenken. „Ich bin immer wieder erstaunt, was eine so kleine Schule künstlerisch auf die Bühne bringt!“, weiß Bernd Schwarz, Begleitlehrkraft und Projektkoordinator, zu berichten. Dem offiziellen Teil folgte ein Ausflug zu einem Aussichtspunkt – von dort aus bot sich ein wunderbarer Blick bei sonnigem Wetter über die schönen Landschaften Hiiumaas. Anschließend hatten wir Gelegenheit, bei einer „digitalen Schatzsuche“ mit den anderen Schülern ins Gespräch zu kommen und nebenbei Handynummern für zukünftige Kontakte auszutauschen. Bei diesem Geo-Cashing musste man mit Hilfe von GPS bestimmte Punkte in Käina finden und dadurch Aufgaben lösen. „Die estnischen Schüler waren extrem hilfsbereit und haben sich viel Zeit für uns auch nach der Schule genommen.“, war der Tenor der besuchenden Schüler aus sechs Nationen. Schließlich besuchten wir „Tiina‘s Dance School“, eine sehr erfolgreiche Tanzschule, die bereits viele nationale und internationale Wettbewerbe gewonnen hat. Dort hatten wir viel Spaß beim Erlernen eines estnischen Volkstanzes. Abends aßen dann alle gemeinsam eine wohlverdiente Pizza bei einem richtigen Italiener aus der Gegend um Florenz, der nach Estland gezogen war.
Der Donnerstag begann mit einem Empfang im Rathaus bei der 2. Bürgermeisterin und einer anschließenden Führung durch das alte Rathaus. Besonders angetan waren wir von der Bibliothek im Dachgeschoss eines historischen Gebäudes, welches durch seine tolle Gestaltung sofort zum Verweilen einlud. Außerdem entdeckten wir schnell bekannte Bücher wie „Harry Potter“ oder „Twilight“, aber auch Romane von Rosamunde Pilcher. „Sowas sollten wir auch haben in Kelheim!“, bemerkte Katrin Berger, welche das Projekt mitbegleitet und unterstützt. Nachmittags machten wir dann eine Bustour zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Hiiumaas, zu einem gut erschlossenen Naturschutzgebiet und einem alten Bauernhof im Wald, wo wir eine Menge über das frühere Leben der Menschen dort lernten. Außerdem besuchten wir einem Leuchtturm (einen der größten Europas), von dem aus man bei sonnigem Wetter einen atemberaubenden Ausblick über die ganze Insel hat. Den krönenden Abschluss bildete schließlich die Abschiedsfeier mit gutem Essen, Live-Musik und Tanz.
Am Freitag nahmen wir dann frühmorgens die Fähre zurück nach Tallinn. Dort verbrachten wir noch den restlichen Tag, bis wir abends abflogen. Wir besuchten unter anderem zusammen mit unseren slowenischen Freunden das Mittelalterrestaurant „Olde Hanse“, wo wir ein letztes Mal das gute estnische Essen genossen, bis wir, ehe wir‘s uns versahen, auch schon zuhause waren.
Die Zeit war viel zu schnell vergangen. Wir hatten eine wunderschöne Zeit während des gesamten Projekts und können abschließend nur noch sagen, dass wir sofort wieder mitmachen würden!
Miriam Ott