
„Die Sicherheitskräfte im ersten Gefängnis haben sich irgendwann gewundert und mich gefragt: Wer bist du? Wieso reden so viele Menschen über dich? (…) Irgendwann habe ich die Briefe von Amnesty-Mitgliedern und anderen NGOs (= Nichtregierungsorganisationen) erhalten – eine schöne Erfahrung, die mir Hoffnung machte. Denn ich wusste, ich bin nicht allein.“ (Fred Bauma, Demokratische Republik Kongo, 2015)
Nach zwei verheerenden Weltkriegen, großem Leid und nicht für möglich gehaltene Verbrechen war die Verabschiedung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ am 10. Dezember 1948 ein historischer Moment: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“. Mit diesem Satz haben die Vereinten Nationen jedem Menschen auf dieser Erde – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sozialem Status – die gleichen Rechte und Freiheiten zugesichert. Jedes Jahr fordern Hunderttausende Menschen weltweit anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember Regierungen auf, gewaltlose politische Gefangene freizulassen und Unrecht zu beenden. Außerdem schicken sie Solidaritätsnachrichten an Menschen, deren Rechte verletzt werden. Diese Briefe zeigen den Betroffenen und ihren Familien, dass sie nicht allein sind. Und sie machen Regierungen Druck: Zu Unrecht inhaftierte Menschen werden freigelassen, diskriminierende Gesetzestexte geändert und politische Aktivistinnen und Aktivisten in ihrer Arbeit unterstützt und gestärkt.
Motto: „Schreib für Freiheit“
Rund um den Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2020 startete Amnesty International den Briefmarathon an Schulen, die weltweit wohl größte Briefaktion für Menschen in Not und Gefahr. Dabei schrieben Hunderttausende Menschen in allen Teilen der Welt Millionen Briefe, in denen sie ihre Solidarität mit Menschen zum Ausdruck brachten, deren Rechte verletzt werden, und appellierten so an Regierungen, die Menschenrechte zu achten. Dabei zählt jeder Brief, denn jeder Brief kann Leben retten, Folter und Unrecht verhindern und Menschen vor unfairen Prozessen schützen. 2020 wurden zehn Schicksale in zehn verschiedenen Ländern ausgewählt und den Schülerinnen und Schülern nahe gebracht. Darunter der algerische Journalist, der für seine kritische Arbeit zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Oder die Aktivistin Jani Silva, die in Kolumbien gegen Erdölkonzerne und für sauberes Wasser im Amazonasgebiet kämpft und deshalb Morddrohungen erhält. Oder die Frauenrechtlerin Nassima Al-Sada, die unter anderem für ihren Einsatz, dass Frauen in Saudi-Arabien frei leben und auch Auto fahren können, seit 2018 im Gefängnis sitzt und misshandelt wird.
Insgesamt stieß der Briefmarathon auf reges Interesse bei Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften, sodass kurz vor Weihnachten insgesamt 285 Briefe an Amnesty International geschickt werden konnten. Vielleicht hätten es noch etwas mehr sein können, doch mit der vorgezogenen Corona-bedingten Schulschließung musste auch die Aktion beendet werden. Doch auch 2021 werden wir gerne wieder teilnehmen und unsere Stimme erheben für die Menschenrechte.
Urbansky