
Kerstin Matzat, ehemalige Schülerin des Donau-Gymnasiums, wurde am 28.05.2020 für ihre W-Seminararbeit mit dem Titel „Das Oppidum in Manching: Aufstieg und Niedergang im Spiegel der naturräumlichen Gegebenheiten“ mit dem Bayerischen Archäologiepreis für ihre außergewöhnliche Leistung belohnt.
Der Preis wurde im Archäologischen Museum Kelheim, dem Kooperationspartner des Gymnasiums, überreicht. Ihre Arbeit hatte Kerstin Matzat im W-Seminar „Spurensucher vor Ort“ unter der Leitung von Michaela Mallmann abgefasst. Begleitet wurde sie außer von ihrer Lehrkraft vom Leiter des Archäologischen Museums, Dr. Bernd Sorcan, und bei der Themenfindung von Dr. Barbara Limmer vom Kelten-Römer-Museum in Manching.
Mit dieser Arbeit habe sich Kerstin Matzat, so der Laudator der Gesellschaft, Dr. Ludwig Husty (2. stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft und Kreisarchäologe Straubing-Bogen), mit herausragendem Ertrag und Engagement für die Archäologie in Bayern eingesetzt. Hervorzuheben sei zudem die analytische Herangehensweise an einen umfänglichen und sehr anspruchsvollen Themenkomplex. Das Thema – durchaus einer Dissertation würdig – auf so prägnante und korrekte Weise vorzulegen, habe Frau Matzat in hervorragender Weise erledigt, so Dr. Sorcan. Der Bürgermeister der Stadt Kelheim, Christian Schweiger, gratulierte der ehemaligen Schülerin des DGK zu diesem außergewöhnlichen Erfolg und bedankte sich für ihren Einsatz für die Geschichte der Heimat.
Die strahlende Preisträgerin erhielt neben einem Geldbetrag, der laut Dr. Husty ausdrücklich „zur freien Verfügung“ stehe, seitens der Stadt noch eine Replik eines keltischen Schlüssels aus dem Kelheimer Oppidum, den Bürgermeister Schweiger gleichsam als „Schlüssel zum Erfolg“ auf den weiteren Lebensweg mitgeben konnte. Auch die Schule ging nicht leer aus: Die Gesellschaft stiftete für die Schulbücherei alle Bände des „Archäologischen Jahrs in Bayern“, der Jahresschrift der Gesellschaft. Die Kooperation zwischen Gymnasium und Museen zahlt sich so für alle Beteiligten erneut aus und ermöglicht den jungen Lernenden völlig neue Erfahrungen und Wirkungsräume.
Mit ihrer Arbeit beleuchtet Kerstin Matzat die Geschichte der Keltenstadt, ihr Entstehen und ihren Untergang vor dem Hintergrund seiner naturräumlichen Gegebenheiten. Aus einer genauen Beschreibung der geographischen Siedlungsbedingungen des Ingolstädter Beckens entwickelt sie den Aufstieg der Siedlung zum bedeutenden Oppidum. Schritt für Schritt werden die Faktoren ermittelt, welche den Untergang der 300 Jahre existierenden Niederlassung einleiteten und schließlich herbeiführten. So gab es mehrere Gründe, sogar ein ganzes Ursachengeflecht, das zum Ende der keltischen Siedlung führte. Die naturräumlichen Gegebenheiten spielten sowohl bei der Entstehung des Oppidums als auch bei seinem Untergang eine bedeutende Rolle. Die Veränderung der Natur durch den Raubbau des Menschen stellte ein großes Problem für die keltischen Einwohner dar. Im Zusammenspiel mit dem sich auch daraus ergebenden wirtschaftlichen Wandlungsprozess waren die Herausforderungen nicht mehr zu bewältigen. Die Menschen verließen ihre Heimat, zogen auf das offene Land und gingen vermutlich zur Selbstversorgung über. Das Ende der großen süddeutschen Siedlung war nicht mehr aufzuhalten. Kerstin Matzat schließt die Arbeit mit der Erkenntnis, dass wir durch den Klimawandel gegenwärtig wie die Einwohner des Oppidums mit der Frage der Nachhaltigkeit und des schonenden Umgangs mit den Ressourcen konfrontiert sind. Wie sie, befinden uns auch wir in einer Zeit des Umbruchs und sollten durch dieses mahnende Beispiel erkennen, wie überlebenswichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist, damit wir sie als unseren Lebensraum weiter nutzen können. Es gilt wie häufig in der Geschichte aus den Fehlern die notwendigen Schlüsse zu ziehen und aus der Vergangenheit zu lernen.
Die Gesellschaft für Archäologie in Bayern wird die Preisträgerin Kerstin Matzat und ihre ausgezeichnete Arbeit in einem Bericht auf der Homepage des Vereins publizieren und so die Leistung der Preisträgerin einem großen fachkundigen Publikum vorstellen. Wir freuen uns mit Kerstin Matzat, gratulieren und wünschen ihr alles Gute für den weiteren Lebensweg!
Michaela Mallmann