Fast in jeder Schulklasse, fast in jeder Jugendgruppe sind heute Jugendliche mit auffälligem Essverhalten anzutreffen. Wo beginnt jedoch eine Essstörung und wie kann man betroffenen Personen helfen?
Um grundlegende Informationen zu liefern und Präventionsmöglichkeiten aufzuzeigen, luden Schulleitung und Elternbeirat am 20. März 2025 zu einem Vortrag zum Thema „Wer is(s)t denn noch normal? – Essstörungen bei Jugendlichen“ ein. Die Veranstaltung richtete sich an Eltern, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler. Die Referentin Frau Claudia Burmeister, Dipl.-Sozialpädagogin (FH) und Leiterin der Beratungsstelle zu Essstörungen „waagnis“ in Regensburg, nahm sich einen Abend lang Zeit, um den Blick für auffälliges Essverhalten zu schärfen und aus ihren Erfahrungen mit Betroffenen zu berichten.
Die Referentin Frau Burmeister bei ihrem Vortrag
Sie wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass vor allem seit der Coronazeit ein drastischer Anstieg zu beobachten sei. Mehr als 28% der 11-17-jährigen Mädchen sowie 15,2 % der 11-17 -jährigen Jungen zeigen aktuell ein auffälliges Essverhalten. Frau Burmeister betonte, dass die Ursache für eine Essstörung ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren darstellt. Gesellschaftliche Hintergründe wie Schönheitsideale, aber auch soziale Medien und Risikofaktoren in der Familie können in eine Essstörung führen. Anschließend gab die Referentin einen Überblick über die unterschiedlichen Formen einer Essstörung: Anorexie, Binge-Eating und Bulimie. Auch neuere Formen der Essstörung – ARFID (avoidant/restrictive food intake disorder, auf Deutsch: vermeidend-restriktive Ernährungsstörung) sowie die Orthorexie wurden näher beleuchtet. Bei ARFID schränken Betroffene die Menge und Auswahl an Lebensmitteln stark ein. Es handelt sich hierbei um eine Angsterkrankung, die noch wenig erforscht ist. Von Orthorexie spricht man, wenn ein zwanghaft gesundes Essverhalten vorliegt.
Im Anschluss wurden den Anwesenden Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt, wie sie Betroffene unterstützen können. Sehr wichtig hierbei ist die Konfrontation der Erkrankten mit den Beobachtungen des Umfelds. Obwohl dieses „erste Gespräch“ oft auf Ablehnung stößt und als unangenehm empfunden wird, sollte man beharrlich bleiben und gegebenenfalls ein weiteres Gespräch führen. Frau Burmeister zeigte verschiedene Behandlungsmöglichkeiten auf und stellte auch auf das Family Based Treatment vor, ein Therapieverfahren für junge Menschen mit Essstörungen, bei dem die Eltern von Anfang an in die Behandlung mit einbezogen werden.
Präventionsarbeit gewinnt in diesem Bereich immer mehr an Bedeutung. Wichtig ist es hierbei, bei den Jugendlichen Lebenskompetenzen, wie positive Körperwahrnehmung, Umgang mit Gefühlen sowie die Genussfähigkeit zu stärken.
Durch rechtzeitiges Erkennen der Warnsignale, verständnisvollen Umgang sowie die zeitnahe Vermittlung an eine geeignete Beratungsstelle können schwere Verläufe abgefangen werden. Daher ist es besonders wichtig, dass das Umfeld der Betroffenen, zu Hause wie in der Schule, die Augen vor dem Problem Essstörungen nicht verschließt, sondern frühzeitig Hilfe anbietet.
Am Ende dieses interessanten und gewinnbringenden Vortrags wurde auf die zahlreichen Fragen der Anwesenden eingegangen.
T. Merschel (Suchtbeauftragte am DGK), P. Todt (Unterstufenbetreuerin)